Laubfrösche in der Windsheimer Bucht – Bestand und Schutz

Der Laubfrosch ist eine ökologisch sensible und gleichzeitig allgemein bekannte und beliebte Amphibienart. Damit ist er als Indikator für qualitativ hochwertige Wasser- und Landlebensräume als auch als Sympathieträger für eine oft zu wenig beachtete Tiergruppe besonders geeignet.

Laubfrosch, Foto: Ulrich Meßlinger
Laubfrosch, Foto: Ulrich Meßlinger
Laubfrosch-Kaulquappe, Foto: Ulrich MeßlingerFoto: Ulrich Meßlinger
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24.06.2020

Als wärmeliebende Tierart benötigt der Laubfrosch neben pflanzenreichen, möglichst fischfreien Laichgewässern auch eine strukturell gut vernetzte Landschaft. Wegen der späten Laichzeit sind zur Fortpflanzung nur Gewässer geeignet, die ausreichend lange Wasser führen. Dies ist aufgrund der Klimakrise und lang anhaltender Trockenphasen eine besondere Herausforderung. Andererseits sollten die Laichgewässer ab und zu austrocknen, damit sich keine große Prädatorendichte, also Fressfeinde, aufbauen kann.
Im vorliegenden Projekt wurde eine Laubfrosch-Kartierung aus dem Jahr 1988 (Heimbucher & Subal 1988) wiederholt und räumlich auf den gesamten Südwestteil des Landkreises NEA mit den Städten Bad Windsheim und Burgbernheim und den Gemeinden Obernzenn, Marktbergel, Illesheim, Gallmersgarten, Ergersheim ausgeweitet. Insgesamt 82 vorausgewählte Gewässer und frühere Fundorte wurden im Frühjahr 2019 mindestens zweimal nachts aufgesucht. An 43 Stellen wurden Laubfrösche gefunden und gezählt bzw. ihre Zahl geschätzt. Vier der Ruforte liegen abseits von Gewässern. Unter den Fundorten sind auch 19 Gewässer, von denen bisher keine Laubfrosch-Nachweise in der Artenschutzkartierung, einer  bayernweiten Artenerfassung, dokumentiert waren. Neben vier neu angelegten Tümpeln und Weihern waren dies auch 15 Gewässer, die bereits zum Zeitpunkt der letzten Naturschutzfachkartierung im Jahr 2001 bestanden haben. Von allen 57 früheren Nachweisen an Gewässern konnten 21 bestätigt werden. Das bedeutet, dass an rund 63 % der früheren Nachweise die Laubfrosch-Vorkommen erloschen sind bzw. zumindest 2019 keine Rufaktivität zeigten. Bei der späteren Kontrolle aller 39 Gewässer mit rufenden Männchen bzw. Laubfrosch-Verdacht konnten an 14 Stellen Fortpflanzungsnachweise mit Kaulquappen oder Hüpferlingen erbracht werden. Hierunter waren auch acht neue Fundorte. Alle Gewässer  mit erfolgreicher Reproduktion sind rein dem Naturschutz bzw. der Wasserrückhaltung gewidmet und waren 2019 nicht oder nur extensiv teichwirtschaftlich genutzt.
Typische Gewässer mit Laubfrosch-Nachweis haben Flachwasserzonen, Bestände von Wasserpflanzen und/oder niedrige Verlandungsvegetation oft mit Kleinröhricht. Weiterhin gibt es keine Fische in diesen Gewässern, es findet keine teichwirtschaftliche Nutzung statt. Dazu kommt ein naturnahes Umfeld und eine ausreichende strukturelle Anbindung bzw. das Vorhandensein von Trittsteinelementen. Als besonders erfolgreich haben sich Naturschutztümpel und -weiher herauskristallisiert. Solche Flachgewässer stellen zunächst sehr günstige Laichgewässer dar. Sie verlanden oder verbuschen jedoch schnell. Einen längerfristigen Beitrag zum Schutz des Laubfrosches können sie deshalb nur leisten, wenn eine regelmäßige Pflege erfolgt bzw. wenn sie durch Biberaktivitäten offengehalten werden.
Als Ursachen für das Erlöschen von Laubfrosch-Populationen bzw. ihr Fehlen in strukturell geeigneten Gewässern wurden identifiziert: Intensive Uferpflege, Uferverbauung oder Steilufer, fehlender niedriger Bewuchs im Flachwasser und am Ufer sowie Fischbesatz im Rahmen der Teichwirtschaft oder zum Zwecke des Hobbyangelns. Laubfrösche rufen zwar auch an strukturell günstigen teichwirtschaftlich genutzten Gewässern mit Nutzfischbesatz und laichen dort wohl auch, weit überwiegend jedoch ohne Erfolg. So gelangen Reproduktionsnachweise lediglich in zwei von neun Gewässern mit Teichwirtschaft, in beiden Fällen war die Nutzung ausgesprochen extensiv. Mehrere für Laubfrösche prinzipiell günstige Grundseen in aufgelassenen Abbaustellen erwiesen sich als Reproduktionsgewässer für ungeeignet, weil sie mit Fischen besetzt worden sind. Aus den sehr tiefen, gewöhnlich niemals austrocknenden Abbaustellen können Fische mit vertretbaren Methoden auch kaum mehr entfernt werden. Die Ergebnisse zeigen auch, dass die üblicherweise angewandten Erfassungsmethoden (zweimalige Nachtkontrolle früherer Nachweisorte) für eine sichere Erfassung des Laubfrosches zu ungenau sind. Der Laubfrosch hat lokal offenbar eine hohe Neubesiedlungsrate und ruft auch in günstigen Nächten nicht zuverlässig. Aus beiden Gründen wird für künftige Erfassungen ein flächendeckendes Verhören in drei über die Paarungszeit verteilten Nächten und zusätzlich eine Suche nach Kaulquappen und/oder Hüpferlingen empfohlen.
Nach der Kartierung wurden bereits erste Schritte zur Beseitigung von Gefährdungen eingeleitet. Geplant sind weitere Gespräche mit allen öffentlichen Grundeigentümern, um vorhandene Gewässer zu extensivieren bzw. aus der Nutzung zu nehmen. Insbesondere wird versucht, zugewachsene Naturschutztümpel und -weiher zu reaktivieren und künftig eine regelmäßige Pflege sicherzustellen. Private Eigentümer von Gewässern sollen animiert werden, an Vertragsnaturschutzmaßnahmen teilzunehmen.

Ulrich Meßlinger