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Gelbbauchunken – Leben in kleinen Pfützen

Eine einmalige Chance bot sich einigen Aktiven des Bund Naturschutz an einem Waldweg in der Gemeinde Markt Erlbach. Sie konnten di e Entwicklung von Gelbbauchunken beobachten. Diese kleine heimische Unke wird ca. 4 cm groß und ist eher unauffällig. Die Oberseite des Tieres ist schlammfarbig und bietet damit eine gute Tarnung. Gerät die Gelbbauchunke in Gefahr, nimmt sie eine Schreckstellung ein, bei der die Tiere in Bauchlage ein Hohlkreuz machen und dabei ihre Gliedmaßen verdreht nach oben strecken (sogenannter Unkenreflex). Auf diese Weise präsentiert sie größere Bereiche ihrer gelb-schwarz gefleckten Unterseite. Durch die grellen Warnfarben werden potentielle Fressfeinde vor der Giftigkeit gewarnt. Die gleichzeitige Abgabe von intensiv riechenden und Schleimhaut reizenden Hautsekreten intensiviert die Abschreckung.

Um eine weitere Besonderheit der Unken zu entdecken, muss man den Tierchen in die Augen schauen. Die herzförmigen Pupillen unterscheiden sie von anderen Amphibien.

Gelbbauchunken nutzen zur Fortpflanzung hauptsächlich kleine stehende Gewässer, insbesondere temporäre Gewässer, die im Laufe des Sommers austrockenen, wie z.B. wassergefüllte Fahrspuren. Der Vorteil dieser Kleingewässer ist, dass sie meist frei von Fressfeinden sind wie z.B. Fischen oder Libellenlarven. Damit können sich die Kaulquappen ungehindert entwickeln.

Die Fortpflanzungszeit der Gelbbauchunken beginnt nach dem Verlassen der Winterquartiere im April. Das Weibchen legt Klümpchen mit 2 bis 30 Eiern im Gewässer ab, die vom Männchen besamt werden. Nach etwa 8 Tagen schlüpfen die ersten Kaulquappen, die sich bis zu 5 cm Länge entwickeln und dann die Umformung zur Unke beginnen. Dabei wachsen zunächst die vier Beine, dann wird der Schwanz der Kaulquappe zurückgebildet.

Die Unkenweibchen können mehrmals im Laufe des Sommers laichen. Damit verteilt sich das Risiko, wenn der Tümpel austrocknet oder die Kaulquappen nicht genug Futter finden.

Jede Gelbbauchunke hat ein individuelles Muster bei der Verteilung der dunklen Flecken auf dem gelben Bauch. So kann man die Tiere auch unterscheiden.

Bei der großen Trockenheit und Hitze in diesem Sommer drohten die Fahrspuren bei Markt Erlbach auszutrocknen. Deshalb wurde Wasser nachgefüllt, um so die Entwicklung der Kaulquappen zu sichern.

Gelbbauchunken sind eigentlich Bewohner von dynamischen Auenlandschaften, die es bei uns kaum noch gibt. Die Tiere sind nun überwiegend auf von Menschen geschaffene Lebensräume mit Klein- und Kleinstgewässern ausgewichen. Gerne werden Steinbrüche und Tongruben besiedelt. Aber auch Trittspuren und Viehtränken in Hutungen und Fahrspurentümpel auf Waldwegen werden als Fortpflanzungsstätten angenommen. Junge Gelbbauchunken sind zwar sehr wanderfreudig, wegen der Zersiedelung und Durchschneidung unserer Landschaft mit Straßen ist die Vernetzung der einzelnen Lebensräume aber meist schwierig.

Gelbbauchunken stehen auf der Roten Liste Deutschland und der Roten Liste Bayern als „stark gefährdet“. Außerdem sind sie in den Flora-Fauna-Habitat-Anhängen II und IV aufgeführt. Dies bedeutet, dass für sie Schutzstrategien entwickelt und Schutzräume geschaffen werden müssen.

Die BN-Aktiven freuen sich, dass ihre Jungtiere die Entwicklung erfolgreich abgeschlossen haben.

Entwicklungsstadien der Gelbbauchunke