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Der Grasfrosch – der Lurch des Jahres 2018

Krötenzäune kennt wohl jeder. Sobald es erste Anzeichen für ein Ende des Winters und der Frostnächte gibt, werden sie aufgebaut und erstrecken sich hunderte von Metern, teilweise sogar über einem Kilometer, entlang der Straßen. Das bedeutet, dass die Wanderung der Amphibien zu ihren Laichgewässern begonnen hat. Durch ihre versteckte Lebensweise bekommt man Frösche, Kröten und Molche eigentlich eher selten zu sehen. Doch die Amphibienzäune weisen deutlich auf die Anwesenheit dieser Tiere hin.

Die Amphibien, auch Lurche genannt, werden unterteilt in die Schwanzlurche (Salamander und Molche) und die Froschlurche (Unken, Kröten, Frösche). Sie sind einfache Wirbeltiere, die jedoch im Gegensatz zu Säugetieren und Vögeln, keine Haare oder Federn haben und somit auch keine konstante Körpertemperatur. Dem Energiehaushalt der Amphibien liegt eine veränderliche Körpertemperatur zugrunde. Dies hat zum Vorteil, dass keine innere Wärme erzeugt werden muss, um die Körpertemperatur auf einem bestimmten Niveau zu halten. Die Tiere kommen deshalb mit wenig Nahrung aus und leben auf dem Temperaturniveau der sie umgebenden Luft oder des Wassers. Um sich zu erwärmen, nehmen Lurche gerne ein Sonnenbad. Ihre Aktivität ist somit von äußerer Wärme abhängig, d.h. wenn die Temperatur sinkt und es kalt wird, werden die Tiere inaktiv. Den Winter verbringen sie deshalb in frostsicheren Schlupfwinkeln in einer Art Starrezustand, oft weit entfernt von Weihern, Tümpeln und Wassergräben.  

Zuwanderung zum Laichgewässer

Im zeitigen Frühjahr erwachen die Amphibien aus ihrer Winterstarre und suchen zur Fortpflanzung und Eiablage geeignete Kleingewässer auf. Grasfrösche gelten als Frühaufsteher, sie beenden von den Amphibien als erste den Winterschlaf. Die Wanderung beginnt in den ersten frostfreien Nächten bei feuchter Witterung, wenn die Temperatur über 5°C steigt. Vor allem bei Regenwetter sind die Tiere unterwegs. Normale Distanzen vom Winterquartier zum Laichgewässer können mehrere hundert Meter bis einen Kilometer betragen. Amphibien wandern nachts, die Grasfrösche auch tagsüber, vor allem in den Nachmittagsstunden. Die Männchen der Grasfrösche treffen etwas früher am Laichgewässer ein und halten am Ufer und im Flachwasser nach den etwas später eintreffenden Weibchen Ausschau und versuchen diese mit Paarungsrufen anzulocken.  

Beschreibung der Anforderungen an das Laichgewässer

Der Grasfrosch ist mit fast allen Gewässern als Laichgewässer zufrieden und besiedelt ein breites Spektrum stehender und fließender Gewässer. Er bevorzugt jedoch dauerhaft stehende Gewässer wie kleine Teiche, Weiher und Tümpel mit flachen und vegetationsreichen Stellen, die besonnt werden und nur selten austrocknen. Naturnahe Gartenteiche sind ebenfalls ein beliebter Laichplatz. Gewässer mit Fischbesatz werden vom Grasfrosch gemieden. Grasfrösche sind sehr ortstreu und so finden sich die Populationen immer wieder am selben Gewässer ein.  

Laichart

Außer dem Feuersalamander, der lebende Junge auf die Welt bringt, legen die anderen Lurcharten Eier. Wie alle Frösche legen Grasfrösche die Eier in Klumpen als sogenannte Laichballen ab. Er ist ein sogenannter „Explosivlaicher“, die Fortpflanzung läuft zeitlich sehr konzentriert an wenigen Tagen ab. Oft laichen bis zu mehrere hundert Individuen gleichzeitig ab.  Besonders vegetationsreiche und besonnte Uferabschnitte werden für das Fortpflanzungsgeschehen bevorzugt. Die Befruchtung der Eier erfolgt erst nach der Eiablage. Die Laichablage des Grasfrosches findet an ruhigeren, seichten Stellen statt. Über die klumpenartig ausgestoßenen Eier gießt das Männchen eine deutlich sichtbare, milchige Spermienmasse. Die einzelnen Laichballen haben einen Durchmesser von 10-15 cm und bestehen aus ca. 700 - 4500 Eiern. Die Gallerthüllen der Eier nehmen nach der Eiablage sehr viel Wasser auf. Der Laich quillt dadurch um ein Mehrfaches seines ursprünglichen Volumens auf und die Laichballen schwimmen an der Wasseroberfläche. Mit der Zeit breiten sie sich fladenförmig aus und es kann  zu Ansammlungen aus manchmal hunderten Laichklumpen kommen, die auf mehreren Quadratmetern Fläche einen großen Laichteppich bilden. Wenige Minuten nach der Laichablage trennen sich die Partner. Während das Weibchen meistens anschließend das Wasser verlässt, bleibt das Männchen oft noch einige Tage im Gewässer. Beide treten dann die Rückwanderung in ihre verschiedenen Sommerquartiere an.  

Kaulquappen

Je nach der Wasser- und Umgebungstemperatur verläuft die Entwicklung des Laichs innerhalb weniger Tage bis zu einigen Wochen. Aus den Eiern schlüpfen die Kaulquappen. Am Anfang atmen sie über äußere Kiemen, raspeln an Wasserpflanzen und Algen. Je größer sie werden, desto größer wird auch ihr Futter. Sie ernähren sich dann von Aas und größeren Pflanzen. Zunächst wachsen die Hinterbeine, kurz danach auch die Vorderbeine. Auch das Maul wird umgeformt, die Kaulquappe frisst in dieser Zeit nicht und ernährt sich von den Fettreserven des sich zurückbildenden Schwanzes. Einige Tage nach dieser komplexen Umformung verlässt das Tier das Wasser und beginnt sein Leben an Land. Der Jungfrosch ist ca. 1 cm lang. Es dauert zwei bis drei Jahre bis er erwachsen und fortpflanzungsfähig ist.  

Sommer- und Winterquartiere

Der  Grasfrosch lebt gerne auf Wiesen, daher hat er auch seinen Namen. Er ernährt sich von Insekten, Asseln, Würmern, Spinnen und Nacktschnecken. Grasfrösche jagen nachts, tagsüber verstecken sie sich an feuchten Stellen. So schützen sie sich vor dem Austrocknen. Frösche werden von Störchen, Mäusebussarden, Milanen, Uhus und Schleiereulen gefressen. Auch Wildschweine, Füchse, Ringelnattern, Dachse und Ratten gehen auf die Jagd nach ihnen. Im Herbst  wandern die Grasfrösche dann wieder ein Stück auf ihr Laichgewässer zu und suchen sich unterwegs frostfreie Unterschlüpfe in Erdlöchern zum Überwintern bis sie die wärmeren Temperaturen im Frühjahr wieder auf den Weg zu Laichen schicken.